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Gut für unsere Schulen

Die Schulsozialarbeit in NRW geht weiter! Die Landesregierung hat sich endlich entschlossen, die Finanzierung der Schulsozialarbeit bis 2021 sicherzustellen. Warum das eine gute Nachricht für die Schulen in NRW ist, möchte ich kurz erklären.

Was ist Schulsozialarbeit?

Wenn man Politikerinnen und Politiker fragt, was denn Schulsozialarbeit sei, bekommt man schöne Antworten wie z. B.: „Schulsozialarbeit ist ein wichtiges Instrument, um Kindern und Jugendlichen aus finanziell benachteiligten Familien die Chance auf Teilhabe an schulischen und außerschulischen Aktivitäten zu ermöglichen. Schulsozialarbeit ist aber weit mehr als das. Sie kann ein wichtiges Glied einer Präventionskette sein und damit ein Bindeglied zwischen Jugendsozialarbeit und Schule. Schulsozialarbeit kann in dieser Funktion schon frühzeitig mögliche Probleme identifizieren und handeln, bevor etwas passiert.“ (Zitat aus dem aktuellen Antrag meiner Fraktion).

Übersetzt heißt das in etwa: in der Schule, in der die Kinder immer mehr Zeit verbringen, geht es nicht allein nur darum, dass die Kinder unter anderem Lesen, Schreiben und Rechnen lernen. Die viele Zeit, die Kinder in der Schule verbringen, hat zur Folge, dass sich ihre Ängste, Sorgen und Nöte auch im Schullalltag wiederfinden. Hier wird es dann für Lehrerinnen und Lehrer schwierig, neben der Wissensvermittlung auch noch die Rolle des Beraters, Vermittlers oder der Trösterin auszufüllen. Und schon sind wir bei Schulsozialarbeitern: Sie füllen diese Lücke, unterstützen damit Schüler und entlasten die Lehrerinnen und Lehrer. Schulsozialarbeiter haben eine andere Ausbildung und verfügen über spezielle Methoden, um Kindern und Jugendlichen zu begegnen. Vor allem sind sie unabhängig vom Lehrpersonal und der Schulleitung und können deshalb leichter Vertrauensperson von Schülern sein.

Schulsozialarbeit ist auch für Lehrer und Eltern wichtig

Ich kann mich noch gut an die Zeit erinnern, als meine Kinder zur Schule gingen. Da gab es einen Ausflug, eine Klassenreise oder mal Nachhilfebedarf – und bei drei Kindern geht das ganz schön ins Geld. Schulsozialarbeiter können Eltern umfangreich beraten, wenn diese Hilfe brauchen. Sie kennen viele Hilfsangebote der Kommunen und haben engen Kontakt zu den ansässigen Jugendämtern. Und man muss dafür nicht zum Amt, sondern die Beratung kann direkt in der Schule erfolgen.
Auch Lehrer holen sich hier Hilfe bei Problemen im Schulalltag – ebenso ein Beispiel für die richtige Ansprechpartnerin vor Ort. Gemeinsam mit Schulsozialarbeitern kann frühzeitig auf eventuelle Probleme von Kindern oder gar Klassen eingegangen und gegengesteuert werden. Ich denke da an Mobbing oder Schulverweigerer.

Ein steiniger Weg

Schulsozialarbeit ist heute ein wichtiger Bestandteil der Bildungs- und Sozialpolitik. Aber das war nicht immer so: In Leverkusen liest sich das Gezerre um die Schulsozialarbeit wie ein kleiner Polit-Thriller.

Die Aufstockung der Schulsozialarbeiter ist ab 2010 aus Bundesmitteln finanziert worden. Ende Dezember 2013 hat der Bund dann die Weiterfinanzierung abgelehnt und meinte, dass die Kommunen jetzt selbst bezahlen sollen bzw. sie sich an die Länder wenden könnten.

Ende 2013 haben wir hier in Leverkusen in großer Kraftanstrengung dafür gesorgt, dass die wichtige Arbeit der Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter an unseren Schulen weitergeführt wird. (Außerdem zeigte sich, dass in Leverkusen die Zuwendungen aus dem Bundesprogramm unter dem damaligen Oberbürgermeister nicht ganz für die Schulsozialarbeit verwendet wurden, sondern in den Stadtsäckel geflossen sind. Damit war die Finanzierung bereits für das Jahr 2014 nicht mehr gesichert. Nun ja… :-/)

Grundsteuer rauf – Grundsteuer runter - oder doch nicht?

Um also weiterhin die Schulsozialarbeiterinnen an unseren Schulen bezahlen zu können, gab es mitunter kreative Ideen. Letztlich wurde im Rat eine Erhöhung der Grundsteuer B beschlossen. Dann gab die rot-grüne Landesregierung im Herbst 2014 bekannt, die Schulsozialarbeit für die Jahre 2015 bis 2017 mit einem Zuschuss von jährlich 384.091,35 Euro zu unterstützen und die Erhöhung der Grundsteuer B wurde teilweise wieder zurückgenommen.

Kinder sind keine Projekte!

Jetzt hat sich die neue Landesregierung nach langem Ziehen und Zerren endlich durchgerungen und die Schulsozialarbeit zumindest bis 2021 finanziell abgesichert. Ziel muss es aber sein die Schulsozialarbeit dauerhaft an den Schulen zu etablieren, als selbstverständliche Aufgabe der Bildungs-, Sozial- und Jugendpolitik und nicht als alle Jahre wieder in Frage zu stellendes Projekt! Kinder sind nämlich keine Projekte!